(Werbung) Etwas oberhalb des Stadtzentrums von Singapur liegt das Central Catchment Nature Reserve mit 4 großen Wasser Reservoirs. Sie sind Teil eines Auffangsystems für Regenwasser, wovon es hier reichlich gibt. 

Eines dieser Reservoirs ist der MacRitchie Stausee der 1867 erbaut wurde. Ein länglicher See der neben seiner Wasserversorgungsfunktion von Ruder-, Kajak- und anderen Wassersportvereinen, so wie von Joggern und Naturliebhabern geschätzt und genutzt wird. 

Unterhalb des Sees liegt der MacRitchie Reservoir Park an dem auch der gleichnamige Wanderweg beginnt. Er führt erst entlang des Sees und dann in nördlicher Richtung rauf zum MacRitchie TreeTop Walk, welcher verspricht, das Highlight dieser Wanderung zu sein. Eine 250m lange, freistehende Hängebrücke zwischen den zwei höchsten Punkten des Parks. Dort gibt es bestimmt schöne Ausblicke.

Geöffnet ist er Dienstag bis Freitag von 9:00 bis 17:00 Uhr und am Wochenende und an Feiertagen von 8:30 bis 17:00. Letzter Einlass ist um 16:45 Uhr. Montags ist er geschlossen, außer an Feiertagen die auf einen Montag fallen.

Vom Eingang des MacRitchie Reservoir Parks bis zum TreeTop Walk sind es rund 5km. Die Brücke ist nur in eine Richtung begehbar. Folgt ihr danach der Beschilderung wieder zurück zum Reservoir Park seit ihr somit bei etwas über 10km gesamt Strecke. Die lassen sich gut und entspannt laufen. Das einzige was die Wanderung erschwert, ist die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit hier in Singapur. Ich empfehle euch früh hier zu sein, am besten vor der Mittagshitze. Bringt euch genug Verpflegung, vor allem Wasser mit, davon werdet ihr hier einiges verlieren.

Wie ihr hin kommt

Aus dem Stadtkern führen mehrere Wege hoch zum MacRitchie Reservoir Park. 

Was ihr in Singapur immer machen könnt ist ein Taxi nehmen. Das ist hier nicht übermäßig teuer, aus dem Zentrum die 5 – 6km rauf dürften etwa 10SGD kosten, die Fahrer sprechen gutes Englisch und der Taxameter läuft. Keine unangenehmen Diskussionen oder ähnliches wie man das aus manchen Ländern kennt.

Uber gibt es in Singapur nicht, aber es gibt in Süd-Ost Asien eine sehr ähnliche Alternative namens „Grab“. Ihr bestellt euch wie gewohnt euren Fahrer, WLAN vorausgesetzt, zahlt den dann aber im Gegensatz zu Uber nicht per Kreditkarte sondern bar. Preislich genau so gut wie die lokalen Taxis und ein einfacher Weg von A nach B zu kommen. Die App gibt es sowohl für Android als auch für IOS.

Direkt vor dem Reservoir Park hält der Bus 167. Dieser kostet aus der Stadt so ca. 2 – 3 SGD. Die solltet ihr passend dabei haben, da ihr im Bus kein Wechselgeld bekommt.

Als dritte Variante bietet es sich an den Weg zum Park einfach zu laufen. Das habe ich gemacht um die Wanderung ein bisschen zu verlängern und so noch etwas Neues von der Stadt zu sehen. Je näher ihr dem Park kommt um so schöner und bestimmt auch teurer werden die Wohnanlagen.

 

Beim meinem letzten Singapur Aufenthalt …

…wollte ich den MacRitchie Trail eigentlich schon einmal gehen. Damals waren wir im Urlaub hier, haben da aber den Fehler gemacht, uns auf YouTube über die Wanderung zu informieren. Gleich im ersten Video sahen wir, wie mitten auf dem Wanderweg eine Cobra eine Phyton angegriffen hat…oder umgekehrt. Das hat uns ein wenig eingeschüchtert, weil wir keinem von beiden begegnen wollten. Wir haben dass dann auf das nächste Mal verschoben. Das ist dann wohl dieses Mal. Ich bin ja weder Cobra noch Python, insofern müsste ich sicher sein.

 

Singapur zu Fuß

Wie immer breche ich früh auf. Es ist etwa 7 Uhr als ich das Hotel verlasse und mir einen Weg durch die noch ruhige Stadt zur Thomson Road, die direkt rauf zum MacRitchie Park führt, bahne. 

Singapur läßt sich gut zu Fuß durchqueren. Die Fußwege sind gut ausgebaut und breit, die Ampeln lassen euch aber manchmal recht lange warten. 

Kommt ihr an größere Kreuzungen gibt es meist eine U-Bahn Station oder eine Unterführung die sicher auf die andere Seite führt. Manchmal ist das etwas verwirrend. Da ist es von Vorteil, zu wissen wie die Straße auf der ihr geht oder auf die ihr wollt, heißt. Entweder diese oder naheliegende Gebäude sind hier nämlich immer ausgeschildert. Außerdem bekommt ihr in den Unterführungen mal eine kleine Abkühlung, da sie meist klimatisiert sind.

Auf dem Weg Richtung Park komme ich immer wieder durch Wohngebiete und an Einkaufszentren oder Supermärkten vorbei. Hier besorge ich mir meine Verpflegung für die Wanderung und kühle mich immer mal mit einem eiskalten Schluck Wasser ab.

Je näher ich dem Central Catchment Nature Reserve komme um so grüner wird es. Langsam kann ich dichte Wälder, die sich weit in Richtung Norden erstrecken, ausmachen. Noch ein Stück weiter und ich stehe am Anfang des MacRitchie Reservoir Parks.

 

MacRitchie und Flora und Fauna

Inzwischen ist es ca. 8:30 Uhr und mir begegnen hier schon zahlreiche Wanderer und Familien, teils Lokale, perfekt ausgerüstete, teils Touristen in normaler Freizeit Kleidung. Mein Kleidungsstil ist da wohl irgendwo dazwischen. Funktionsshirt, leichte Shorts, Basecap und feste Wanderschuhe. Die dürften hier wohl am wichtigsten sein. Nicht unbedingt wegen des Weges, der führt über Schotter-, Waldwege, Holzstege oder Holztreppen, eher wegen der Tierwelt. 

Eine Begegnung wie in dem vorhin erwähnten Video ist hier wahrscheinlich eher selten, wenn auch nicht unmöglich. Sowohl die Netzphyton als auch die Königskobra sind in Singapur heimisch, halten sich aber eher von Menschen fern. Ihr solltet es aber auf jeden Fall vermeiden, einem von beiden beim Wandern aus versehen auf den Schwanz zu treten. Alleine deshalb schon lieber feste Schuhe als Flip Flops.

Leider genau so selten, aber wer weiß mit etwas Glück, könnt ihr hier Riesengleiter, das sind fliegende Lemuren, oder einheimische Eulen sehen. Sehr wahrscheinlich trefft ihr auf Eichhörnchen, Warane, Schildkröten oder auch Langschwanzmakaken. Letztere sind auch ein wenig mit Vorsicht zu genießen. Ihr solltet auf jeden Fall darauf achten kein Essen offen liegen zu lassen. Ihr solltet möglichst nichts in Plastiktüten dabei haben. Mir wurde gesagt, dass die Affen das mit Essen in Verbindung bringen und dann wohl ziemlich dreist klauen. Ich selbst wurde Zeuge, wie eine Kindergartengruppe wegen kleiner Brezeln brutalst überfallen und dieser beraubt wurde. Naja, so dramatisch war es nicht aber ein Mädchen hat geweint und die Brezeln waren weg. Also…Vorsicht.

Auch die Ameisen sind hier riesig groß. Aus Versehen in so einen Bau treten dann auch lieber in festen Schuhen.

 

Durch tropischen Regenwald

Wie schon erwähnt sind es ab dem Eingang bis zum TreeTop Trail etwa 5km, die euch durch dichten, tropischen Regenwald führen. 

Hier ist alles etwas größer. Größere Blätter, riesiger Bambus, wunderschöne Bäume mit riesigen Wurzeln. Die Geräuschkulisse ist ebenso beeindruckend. Zikaden mit ihrem lauten, für mich immer etwas synthetisch klingenden Gesang. Überall knackt und knirscht es, wenn sich ein Waran am Boden oder ein Langschwanzmakake in dem Wipfeln seinen Weg bahnt. Von den vielen verschiedenen Vogelarten und deren Gesängen ganz zu schweigen.

Ich genieße es durch solche Wälder zu laufen. Immer schwingt Neugier mit, aber auch eine gehörige Portion Respekt. Hier bin ich definitiv nur Gast, alles um mich herum ist hierfür besser ausgelegt als ich. Das ist ein bisschen wie bei einem Tauchgang.

 

TreeTop Walk

Deutliche Beschilderung lenkt mich durch den Wald zum Treetop Walk, an dem ich dann auch recht bald ankomme. Da er sich zwischen den zwei höchsten Punkten des Parks erstreckt, geht es anfangs erstmal eine Straße den Berg hinauf. Dann geht es über Holzstufen und eine Holzbrücke, durch ein kleines, besetztes „Pförtnerhäuschen“ hindurch zum eigentlichen Treetop Walk.

 

Eine sichere, vertrauenswürdige Stahlkonstruktion, die zur Zeit wohl aber die eine oder andere Reparatur erfährt. An ein paar Stellen sind Rot/Weiße Absperrbänder gespannt, die den schönen Eindruck der Brücke erstmal etwas trüben. Wie versprochen schwebt sie aber hoch in den Wipfeln der Bäume und bietet so, trotz Absperrbändern einen weiten, schönen Blick über den National Park. 

Mit mir genießen hier schon einige andere Wanderer den Ausblick. Zu einem späteren Zeitpunkt des Tages ist es hier bestimmt recht voll. Da die Brücke nur sehr schmal ist wird man dann bestimmt recht zügig voran getrieben. Noch ein Grund warum ihr hier lieber früh hinkommen solltet.

Nach einigen schönen Aufnahmen lasse ich die Brücke dann auch schon wieder hinter mir. Ich werfe einen kurzen Blick auf meine Karte, um zu sehen ob ich den National Park weiter hinauf laufe, oder ob es mehr Sinn macht wieder an meinen Ausgangspunkt zurück zu kehren. Zweiteres scheint mir aufgrund der steigenden Temperaturen sinnvoller zu sein. 

 

Makaken Hinterhalt

Nach einem kleinen Schlenker befinde ich mich wieder auf dem Weg, der mich hier her geführt hat. Auf dem Hinweg habe ich sie zwar in den Bäumen gehört, aber keine gesehen. Jetzt ist der gesamte Weg zurück voll mit Affen. Als hätten sie mich erst durch gelassen um mich dann auf dem Rückweg abzufangen. Eindeutig ein Hinterhalt, oder um die Uhrzeit ist der Waldboden einfach kühler als es oben in den Bäumen ist.

An einem kleinen Rastplatz, den ich mir mit einer Kindergartengruppe teile, passiert dann der schon erwähnte, dramatische Brezelklau und auf den Wegen, die ich vorhin entspannt gehen konnte, laufe ich jetzt im Zickzack um lauernde Langschwanzmakaken herum. Lauernd auf einen leicht geöffneten Rucksack oder einen Touristen der naiver Weise etwas zu knabbern in der Hand hält. Vielleicht aber auch einfach nur sich gegenseitig lausend, faul am Boden liegend. So genau weiß ich das nicht.

Im Ernst: Es ist schön anzusehen, wie gesellig und entspannt sie hier rumsitzen, ihre jungen in den Armen haltend oder das Fell der älteren pflegend. Sicherlich auch mit Vorsicht zu genießen, mit dem nötigen Abstand und ein oder zwei Regeln beachtend (nicht Füttern, keine offenen Lebensmittel) aber eine wirklich interessante Begegnung.

Der Rückweg zum MacRitchie Reservoir Park kam mir viel schneller vor als der Hinweg, auch wenn er durch die vielen Tiere, die um diese Uhrzeit raus zukommen scheinen, nicht weniger interessant war. Hier im Park setze ich mich jetzt noch etwas hin, sehe mir die anderen Wanderer an, die den Weg gerade erst antreten und halte meine ersten Ideen für diesen Beitrag fest.

Zurück zum Hotel werde ich den 167er Bus nehmen. Dann erst einmal unter die Dusche und danach den Tag rund um die Marina Bay und an der Orchard Road ausklingen lassen. Ein großartiges Ende für einen Tag der schon so schön begonnen hat.

 

Ein Weg wert ihn zu wandern

Der MacRitchie Trail ist eine kleinere Wanderung, von der Strecke her. Die vielen Eindrücke und vor allem die Begegnungen haben sie für mich aber groß gemacht. – einige Begegnungen beeindruckend schön, andere aufregend, alle interessant und es wert sie zu machen. Habt ihr einen halben Tag Zeit und Lust auf atemberaubende Natur, dann empfehle ich euch den MacRitchie Trail, seinen TreeTop Walk und die vielen Eindrücke, die er bei euch hinterlassen wird.

 

Wart ihr hier schonmal wandern? Kennt ihr vielleicht noch andere Wanderungen die empfehlenswert sind?